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Der Brunnen des Sefer Aga – Sefer Ağa Çeşmesi:

2. Der neue "alte" Brunnen

Wo genau steht der Brunnen?

Im europäischen Teil von Istanbul, zwischen der Süleymaniye-Moschee, dem Gelände der Istanbuler Universität und den Resten des weithin sichtbaren Valens-Aquädukts (Bozdoğan Kemeri), genau genommen dort, wo sechs Straßen aufeinanderstoßen, steht an der Ecke der Süleymaniye Caddesi und der Kirazlı Mescit sok. (Straße der Moschee mit dem Kirschbaum) – der Brunnen des Sefer Aga.

Brunnen des Sefer Aga
© Privat

Er besteht aus dem an drei Seiten verputzten Wasserreservoir und der Brunnenfassade aus Haustein an der vierten, der Kreuzung zugewandten Seite.Geschützt wird der Bau von einem Zeltdach mit roten Ziegeln,das inzwischen von wildem Wein überwuchert wird.

Was ist unter der Patina verborgen gewesen?

Brunnen des Sefer Aga
© Privat

Die Fassade ist im sogenannten klassischen Stil des 15. bis 17. Jahrhunderts gestaltet. Ein Spitzbogen mit je einer schlanken Säule mit angedeuteten einfachen Kapitellen an beiden Ecken und einem umlaufenden schlichten Band in Halbrelief rahmt eine tiefer gelegte Nische ein, die von der Spitze des Bogens bis zum Boden reicht (dessen Niveau hier wie allgemein in vorhergehenden Jahrhunderten tiefer lag). Sie enthält den schmucklos eingerahmten Hahnstein aus Marmor mit dem (neuzeitlichen) Wasserhahn und ein Türchen für Reparaturen am vorderen Teil der Wasserleitung. (Leider ist es sehr bald abhanden gekommen, daher das dunkle Loch.) Die beiden kleinen Nischen darüber nahmen die Trinkbecher auf, die üblicherweise an einer langen Kette befestigt waren. Unterhalb des Wasserhahnes steht der Brunnentrog aus Marmor; seine vordere senkrechte Marmorplatte ist ein bißchen ausgetreten. Das bedeutet, daß der Brunnen auch der Versorgung von Häusern mit Wasser durch Wasserträger diente. Sie stützten nämlich einen Fuß darauf, wenn sie ihre kırba, den Wasserbehälter aus Tierhaut, füllten, wie uns ein Foto aus der Zeit um 1900 zeigt. Zu beiden Seiten diente eine waagrechte Platte zum Abstellen der kırba oder zum Sitzen. (Über das streng reglementierte System der Wasserträger kann man im bereits erwähnten Buch in Englisch und Türkisch nachlesen. Ferner kenntnisreich und vielseitig im historischen Überblick bei Noyan Dinçkal, Istanbul und das Wasser, München 2004. )

Wasserträger um 1900
© Özdeniz, Istanbul'daki ...

Die Inschrift des Stifters

Auf der Fläche zwischen Spitzbogen und Dach sehen wir ein Rechteck aus Marmor mit den drei Zeilen der vergoldeten Inschrift des Stifters auf dunkelgrünem Grund.

Brunneninschrift
© Privat

Hier folgt nun in Lateinschrift die Inschrift in osmanischem Türkisch:

1. Eyledi bunda Sefer Ağa bu hayrâtı binâ Ecrini vere ana rûz-ı cezâda Bârî
2. Daima Hazret-i Hakdan budur ümmîdim kim Haşre dek ola anın hep hayr ile âsârı
3. Cûd u ihsân ile sarf olmadadır evkâfı Hak budur hayr iledir her dem anın efkârı
4. Oldu sa'd emekle bina çıkdı fahre çeşmesi Eylesün böyle duâ bundan içenler bâri
5. Inşallah dilerüz kim ola mahşerde nasîb Cennet içinde mükâfâtı Hak'ın dîdârı
6. Hâtif-i gayb duâsıyla didi târîhin Yâ İlahî ola bu çeşme hemîşe cârî

Hier ist die Inschrift in heutigem Türkisch:

1. Sefer Ağa bu hayrâtı burada bina eyledi. Allah bunun mükâfatını mahşer gününde ona versin.
2. Allah'tan ümidim daima budur ki ta kıyamete kadar onun hayır eserleri ayakta kalsın.
3. Onun bütün zamanı cömertlik ve ihsan ile geçmektedir. Gerçek olan şu ki bütün fikirleri hayır yapmak üzerinedir.
4. Işte bu çeşmesi de yüzlerce emek sonucunda (bina edilip) ortaya çıktı. Artık bu çeşmeden su içenler şöyle dua eylesinler:
5. Inşallah dileriz ki onun mahşer günündeki nasibi ve mükâfâtı Cenette Allah'ın Cemalini görmek olsun.
6. Hâtif, gayb duâsıyla oranın tarihini (şöyle) söledi: Rabbim! bu çeşme sürekli aksın, akışı hiç kesilmesin.

Die erste Zeile nennt den Namen des Stifters und daß er dieses Gebäude an dieser Stelle als frommes Werk errichten ließ; die letzte Zeile lautet in etwas freier deutscher Übersetzung:
"O Herr, laß diesen Brunnen immer Wasser führen."

Der Zahlenwert der einzelnen Buchstaben dieser Zeile (ebced hesabı) ergibt die Jahreszahl 1029 (muslimischer Zeitrechnung). Darunter wird die Jahreszahl in Ziffern wiederholt. Sie entspricht dem Jahr 1620 n.Chr.

Über das Leben des Sefer Ağa ist leider nur sehr wenig bekannt:

Er war ein tersâne kethüdâsı, wörtlich übersetzt: Vorsteher des Marinearsenals, dessen Geburtsort, Geburts- und Todesjahr unbekannt sind. Einen Anhaltspunkt für seine Lebenszeit bietet lediglich die Jahreszahl in der Inschrift. Im Stadtteil Küçük Piyâle Paşa hatte er eine Schule errichten lassen, wo er begraben wurde. Von der Schule gibt es heute keine Spur mehr. (Engin Özdeniz)

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